Rundbrief vom Juni 2020 

Juni 2020

Hauptthema dieser Ausgabe ist "Kunst und Friedensförderung". In welcher Weise kann Kunst nach einem Konflikt zur Versöhnung und zum Wiederaufbau beitragen?

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Themen

KUNST UND FRIEDENSFÖRDERUNG: BASIS-ENGAGEMENT FÜR EINE NACHHALTIGE KONFLIKTTRANSFORMATION
von Thomas Kadelbach

Weltweit bestehen zahlreiche Beispiele, die aufzeigen, wie künstlerische Initiativen zu einer friedlichen und nachhaltigen Konfliktlösung beitragen können. In jüngster Zeit ist das Interesse an diesen Erfahrungen gewachsen. Die Bedeutung der Kunst in Post-Konflikt-Gesellschaften ergibt sich aus der Notwendigkeit, in einem multisektoralen Ansatz eine Vielzahl von Akteuren zu mobilisieren und die Menschen nicht nur rational anzusprechen. Allerdings besteht auch die Gefahr einer Romantisierung und Überschätzung des Beitrags der Kunst an die Friedensförderung.

 

KÜNSTLERISCHE SPURENSUCHE IM WESTBALKAN

Die in London wohnhafte Künstlerin und Forscherin Milena Michalski mit deutsch-serbischen Wurzeln erzählt von ihrer Arbeit im Rahmen des Projekts Art & Reconciliation: Conflict, Culture and Community. Das vom britischen Arts und Humanities Research Council finanzierte Projekt des King’s College London, der University of the Arts London und der London School of Economics begann 2016. Es setzte sich namentlich zum Ziel, in einem interdisziplinären, d.h. sowohl künstlerischen wie auch wissenschaftlichen Ansatz, die Rolle von Kunst in Postkonflikt-Gesellschaften zu untersuchen. Ein besonderer Fokus des Projekts lag im Westbalkan. Milena Michalski war im Rahmen des Projekts als Artist in residence an verschiedenen Ausstellungen beteiligt, namentlich in Sarajevo.

 

DIE KUNST DES LEBENS!
von Aida Begic, Filmemacherin

Der Tag, an dem die Belagerung von Sarajevo begann, war einer der glücklichsten meines Lebens. Das war kurz vor meinem 16. Geburtstag. Ich wachte auf, merkte dass ich verschlafen hatte und geriet in Panik. Im Wohnzimmer teilten mir meine Eltern nüchtern mit, dass die Schule ausfalle. Keiner von uns hatte sich damals vorstellen können, dass dieser Tag der Beginn einer brutalen Belagerung war: 1425 Tage, gefüllt mit Qual, Tod, Hunger, Kälte und Angst. Das Glück, das ich empfand, als ich mich wieder ins Bett legen konnte, war das Ergebnis einer grenzenlosen Naivität, die ich mit den anderen Einwohnerinnen und Einwohnern Sarajevos teilte. Bis zum Tag der Belagerung glaubten wir, dass ein Krieg überall auf der Welt, nur nicht in unserer Stadt ausbrechen könne.

 

MUSIK VERBINDET: MITROVICA ROCK SCHOOL

Der Kosovo-Konflikt hat die Stadt Mitrovica geteilt: südlich des Flusses Ibar leben die Menschen albanischer, im Norden diejenigen serbischer Abstammung. Die Mitrovica Rock School (MRS) verbindet serbische und albanische Teenagers durch Musik. Sie stellt die Musiktradition wieder her, welche beide Seiten stolz macht. Und sie investiert in die Jugend der Stadt. Im Jahr 2018 hat die MRS eine Partnerschaft gegründet mit der Roma Rock School und der Musikschule Enterprise in Skopje, Nordmazedonien.

 

MIT KUNST GRENZEN ÜBERWINDEN
von 
Dagmar Reichert

Die 2011 gegründete Schweizer Stiftung artasfoundation setzt auf Kunst als Basis («art as foundation») und Ausgangspunkt für gesellschaftlichen Wiederaufbau in kriegsbetroffenen Regionen. Dort ergänzt sie bestehende Initiativen zur Linderung materieller Not, indem sie insbesondere auf die geistigen und seelischen Bedürfnisse der dort lebenden Menschen antwortet. Das Echo, das sie bei Menschen in schwierigen Lebenssituationen finden, gibt den Kunstinitiativen Recht: Hat Gewalt die Menschen auf Körper reduziert, so markiert Kultur – und mit ihr künstlerische Betätigung und künstlerischer Ausdruck – die ersehnte Rückkehr in eine vollständige menschliche Existenz.

 

DIE DEZA FÖRDERT MIT KULTUR DEN OFFENEN DIALOG IN ZENTRALASIEN
von Christian Frutiger, Vizedirektor der DEZA

Die kulturelle Vielfalt ist tief im schweizerischen Staatsverständnis verankert. Trotz ihrer geringen Fläche und ihrer relativ kleinen Bevölkerung hat die Schweiz vier Landessprachen und ist zunehmend multiethnisch. Das Recht auf freie Meinungsäusserung – die Förderung einer offenen Debatte, die Berücksichtigung verschiedener Perspektiven und die Achtung von Minderheiten – ist das Kernstück der Stabilität und des friedlichen Zusammenlebens in unserem Land. In diesem Zusammenhang nimmt die Kultur eine zentrale Rolle ein, indem sie einen Raum der Freiheit bietet, der Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund um ein gemeinsames Ziel, Toleranz und ein Gefühl der Zugehörigkeit vereint. Diese Erkenntnis ist auch in der internationalen Zusammenarbeit wertvoll. Persönlich erlebte ich das bereits lange vor meiner Zeit als Vizedirektor der DEZA, nämlich während meiner Tätigkeit beim IKRK. Dort sah ich, welchen Wert Kultur und künstlerischen Ausdruck für die soziale Kohäsion und die Menschenrechte haben. Wir arbeiteten damals beispielsweise mit Künstlern in Westafrika zusammen, um Toleranz über Meinungsverschiedenheiten und Konflikte hinaus zu fördern.

 

SCHULBESUCH DER SHV IN ST. GALLEN
von Nicholas Rüegg

Anfangs März – noch vor der ausserordentlichen Lage – haben zwei Vorstandsmitglieder der SHV (Hanspeter Spörri und Nicholas Rüegg) die Kantonsschule am Burggraben in St. Gallen besucht. Zielpublikum waren rund 15 Schülerinnen und Schülern mit ausgewiesenem Interesse an internationaler Politik.

 

CORONA-VIRUS UND DIE WERTE DER OSZE
von Christoph Lanz

Der Corona-Virus hat uns alle in den vergangenen Monaten extrem beeinflusst und unsere staatlichen Institutionen herausgefordert. Die Regierungen mussten auf die Bedrohung reagieren und Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung ergreifen. Selbst nachdem die Todesfälle und Ansteckungen unterdessen glücklicherweise zurückgegangen sind, sind die wirtschaftlichen Folgen der Schutzmassnahmen derart schwerwiegend, dass wir noch lange mit den Folgen des Virus zu kämpfen haben werden.

 

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